Walter Krämer – Sohn der Stadt Siegen, Widerstandskämpfer, Kommunist & Arzt von Buchenwald

Diesen Monat jährt sich erneut der Geburtstag von Walter Krämer. Aus diesem Anlass haben wir in der vergangenen Woche mehrere Gedenkaktionen durchgeführt und sind unter anderem zum Hermelsbacher Friedhof, dort befindet sich sein Grab neben dem seiner Frau Elisabeth. In der folgenden Rede wollen wir sein Leben, Wirken und Leiden näher erläutern.

Geboren am 21. Juni 1892 in Siegen als Sohn eines Lokführers in eine christlich-konservative und national orientierte Familie absolvierte er 1906 eine Lehre als Schlosser an der Volksschule, bis er sich 1911 freiwilig zum Dienst in der Marine meldete. Auf dem Linienschiff ,,Posen“ , wo er als Heizer stationiert war, bemerkte er schnell wie ungleich einzelne Matrosen gegenüber den Offizieren behandelt wurden, was ihm die Unterschiede der Klassen im Deutschen Reich verdeutlichte. 1917 wurde er zu einer Haftstrafe verurteilt nachdem er während erster Unruhen und Aufständen der Matrosen Proviant entwendet haben soll. Bevor er seine Strafe in Siegburg antreten sollte kam es 1918 zum Matrosenaufstand, welcher von Kiel aus viele große Städte erreichte und später die Novemberrevolution auslöste, die zum Ausruf der ,,Freien sozialistischen Republik“ der Arbeiter und Soldaten durch Karl Liebknecht führte, später jedoch aufgrund der Niederschlagung des Spartakusaufstandes 1919 weiter an Einfluss verlor und sich die ,,Deutsche Republik“ unter dem Ausruf von Phillipp Scheidemann die Burgfriedenspolitik zwischen der Bourgeosie, dem Kapitals und den ArbeiterInnen vermeintlich durchsetzte.

Nach dem Krieg stiegen die Lebensmittelpreise und es brach allgemeine Verelendung in der Stadt Siegen aus, während die Löhne weiter niedrig waren. Arbeiterorganisationen führten große Streiks an während 1920 der konterrevolutionäre Kapp Putsch fast zu einem Bürgerkrieg führte. Während dieser Zeit beteiligte sich Walter Krämer im Ruhrgebiet an der Auseinandersetzung in der Roten Ruhrarmee und kam anschließend nach Siegen, wo er aufgrund eines Motorendiebstahls eine Haftstrafe verbüßen sollte und sich freiwillig stellte. Vor seinem Haftantritt lernte er seine Frau und Genossin Elisabeth kennen, trat aus der USPD aus und wurde KPD Mitglied. 1922 wurde Walter Krämer erneut verhaftet. Während der Bürgerkriegsähnlichen Zustände kam es zum Verbot der KPD und seine Wohnung wurde durchsucht. Dabei fand man eine Pistole und unpassende Munition in seiner Wohnung. In Siegen hatte er zu dieser Zeit eine Ortsgruppe der Partei aufgebaut und die Leitung gemeinsam mit Peter Brinkschulte übernommen. Gemeinsam mit 14 Siegerländer GenossInnen wurde er nach nur vier Prozesstagen zu drei jahren und sechs Monaten haft verurteilt, 1927 wurde er jedoch 8 Monate früher entlassen.
Anschließend ging er in Düsseldorf und Krefeld durch die Parteischule und nahm den Posten als Parteisekretär in der Leitung Niederrhein ein und war besonders als Agitator und Publizist bekannt. 1933 wurde er zur Zeit des Reichstagsbrandes in Hannover von der Kripo verhaftet. Die KPD bereitete sich derzeit bereits auf die Arbeit in der Illegalität vor, da die NSDAP und ihre Gehilfen in vielen Behörden an Macht und Einfluss gewannen.
Aufgrund seiner politischen Tätigkeiten wurde er wegen Hochverrat am Staat vor Gericht geführt. Ihm wurde vorgeworfen Regierungsfeindliche schriften geschrieben und in Umlauf gebracht zu haben, in der Tätigkeit der KPD den Kommunismus als Ziel zu haben, was eines Geständnisses zur ,,Schuld“ gleichkam. Fortan galt Walter Krämer öffentlich als Staatsfeind. In einem Brief an seine Frau schrieb er: „Es gibt nur einen Weg für mich: meiner inneren Überzeugung gemäß zu handeln, dafür einzustehen und alle Konsequenzen auf mich zu nehmen“. Er wurde zu drei Jahren Haft verurteilt.

Als ihn seine Frau 1936 abholen wollte war er bereits in die Hände der Gestapo übergeben und nach einem kurzen Gespräch mit Elisabeth Krämer in das KZ Lichtenburg verlegt, ein Jahr später nach Ettersberg. Dort mussten gefangene bis zu 16 Stunden täglich arbeiten. In Ettersberg versuchten die Inhaftierten und vor allem politischen Häftlinge Strukturen zu bilden und Posten zu besetzten. Walter kam in den Häftlingskrankenbau und eignete sich durch Unterstützung jüdischer Ärzte Kenntnisse der Medizin an. 1938 übernahm er den Posten und die Verantwortung für die chirurgische Ambulanz und veränderte die Personalverhältnisse, sodass weitere GenossInnen gegen das alte Person getauscht wurden. Der Häftlingskrankenbau wurde mehr und mehr zur Instution der Rettung vieler kranker und ebenso zum Ort des Widerstands. Er sorgte für die Versorgung polnischer Kriegsgefangener die sonst durch Hunger und Kälte gestorben wären. Durch seinen wachsenden Einfluss stellte er eine Gefahr für die SS Offiziere dar. Diese hatten sich in haufenweise Korruption verstrickt und jüdisches Eigentum unterschlagen. Dies wusste Walter Krämer, bis er und sein Stellvertreter Karl Peix schließlich von der SS ermordet wurden. Die Todesursache wurde mit ,,Auf der Flucht erschossen“ verschleiert. Die Gedenkstätte der von den Nationalsozialisten ermodeten JüdInnen Yad Vashem in Israel zeichnete ihn 1999 mit Ehrung eines ,,Gerechten unter den
Völkern“ aus.

Die Erinnerungskultur an Walter Krämer, Elisabeth und die Siegener KPD wurde erst Anfang der 1980er wiederentdeckt.
In der DDR wurden medizinische Fachschulen nach ihm benannt und ein Roman über Walter Krämer veröffentlicht mit dem Titel ,,Nackt unter Wölfen“. Die Deutsche Kommunistische Partei (DKP) setzte sich für „eine Mahn- und Gedenkstätte für den kommunistischen Abgeordneten des Preußischen Landtages und Buchenwald-Häftling Walter Krämer“ ein, sie erhielten jedoch keine Antwort vom Stadtrat. Zuvor veröffentlichte die Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit Siegerland e.V. (GCJZ)bereits ein Werk über Walter Krämer. Die Überschneidung der Perspektive als Arzt von Buchenwald durch den GCJZ und die des standhaften Kommunisten und Antifaschisten durch die DKP und den VVN/BdA brachten unterschiedlich gewichtete Argumente zur Ehrung hervor. Schließlich wurden über mehrere Jahre eine Gedenktafel an seinem Geburtshaus angebracht und ein Platz nach ihm benannt. In der ursprünglichen Debatte sollte das Kreisklinikum Weidenau nach ihm benannt werden, er erhielt jedoch nur einen nach ihm benannten Platz auf dem Vorplatz des Haupthauses.
Oft wird ihm als Politiker gedacht, dabei aber die Tatsache ausgelassen dass er wegen seiner revolutionären Einstellung und der Mitgliedschaft in der KPD deportiert wurde, also eben weil er Kommunist war. Die Gesinnungs- und Klassenjustiz führte im Faschismus schließlich zu seinem Tod.

Wir gedenken Walter Krämer als ehrenhaften Sohn unserer Stadt, als aufrechten Kommunisten der sich durch nichts einschüchtern lies und bis zu seiner Hinrichtung durch die SS die Menschlichkeit und Solidarität in sich trug. Nach wie vor gibt es in der BRD ,,akzeptierte“ und ,,unerwünschte Opfergruppen“ zu denen die Erinnerungskultur ausgebremst wird und zu der besonders KommunistInnen gehören. Es ist unser Erbe und unsere Aufgabe die Erinnerungskultur weiter voranzutreiben, aber auch die politische Arbeit weiterzuführen.
Walter und Liesel, ihr seid unvergessen! Euer Leben und eure ruhmreichen Taten in der KPD und für die Gefangenen werden euch weiter leben lassen.